Die Geschichte der BRD nach 1949


Die Anfänge

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer

Nach der Wahl zum ersten deutschen Bundestag am 14. September 1949 bildete Konrad Adenauer eine Koalitionsregierung aus CDU, CSU, FDP und der DP (Deutsche Partei). Entgegen den Forderungen der SPD nach Planwirtschaft und Sozialisierung der Industrien leitete der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer eine soziale Marktwirtschaft ein. Sie ermöglichte die Eingliederung der Vertriebenen und trug der CDU/CSU in den Bundestagswahlen 1953 und 1957 hohe Stimmengewinne ein. Adenauer erreichte durch eine selbstständige Aussenpolitik die Aufhebung der von den drei alliierten Westmächten USA, Großbritannien und Frankreich vorgegebenen politischen und militärischen Richtlinien.

Der Sozialstaat und das Wirtschaftswunder


Ludwig Erhardt

Als ein wichtiger Stützpfeiler für die junge Demokratie erwies sich die erfolgreiche Sozialpolitik, das Grundgesetz legte den Staat auf eine Politik zur Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit fest, was sie durch Sozialversicherungen, die Tarifautonomie und die Bewältigung der unmittelbaren Kriegsfolgen ereichte. In einer im Rückblick erstaunlich kurzen Zeit gelang es dem Gesetzgeber, diese Herausforderungen zu bewältigen. Zusätzlich folgte die Rentenreform von 1957, die die mickrigen Renten - die durchschnittliche Altersrente betrug gerade einmal 62,40 DM - um 60 Prozent erhöhte und sie an die jährliche Lohnentwicklung koppelte. Möglich wurden diese Leistungen durch das sogenannte Wirtschaftswunder, dessen populäres Symbol der Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard war. Dieser wirtschaftliche Aufschwung, der zu Vollbeschäftigung und wachsendem Wohlstand führte, wurde von mehreren Faktoren ermöglicht.
Es gab genügend motivierte und disziplinierte Arbeitskräfte, das Vorhandensein einer guten Infrastruktur sowie der starken Zunahme des Welthandels, welcher eine Große Nachfrage nach deutschen Exportprodukten erzeugte. Es ging aufwärts in Deutschland: das Bruttosozialprodukt nahm in den 50er Jahren jährlich um 8 % zu, zwischen 1950 und 1970 stieg es insgesamt sogar um 300 %. Es war nicht nur eine Vollbeschäftigung erreicht worden, Deutschland ging sogar dazu über, Gastarbeiter aus dem Ausland anzuwerben. Lebten die meisten Deutschen bis Ende der 50er Jahre noch knapp über dem Existenzminimum, begannen nun die Jahre des Konsums, für den Besitz der meisten Konsumgüter spielte die soziale Stellung keine Rolle mehr.



Die erste Rezession

Mitte der 60er Jahre endete das unaufhaltssame Wirtschaftswachstum der Nachkriegsjahre. Die Arbeitsproduktivität sank, die Steuereinnahmen blieben unter den Erwartungen und die Staatsausgaben stiegen erstmals stärker als das Bruttosozialprodukt. Dei Bundesregierung war gezwungen, einige der grosszügigen Wahlversprechen wieder zurueckzunehmen und die Bundesbank erhöhte die Zinsen, was zu einem Anstieg der Arbeitslosen und einem Rückgang der Investitionen führte.



Die große Koalition

Im Oktober 1966 kündigte die FDP wegen einer geplanten Steuererhöhung die Koalition auf, was zum Rücktritt Ludwig Erhards führte. Die beiden großen Parteien einigten sich daraufhin auf eine große Koalition, die der CDU-Politiker Kurt-Georg Kiesinger als Bundeskanzler leitete. Die nur kleine Opposition führte zur Gründung zahlreicher Ausserparlamentarischer Oppostionen (APO), die vor allem von Jugendlichen und Studenten initiert wurden. Eine große Leistung der Regierung Kiesingers war die Verabschiedung der Notstandsgesetze, die die Handlungsfähigkeit der Regierung bei Unruhen, Naturkatastrophen und im verteidigungsfall sicherstellen sollten. Aufgrund starker Kritik einigten sich die Politiker schliesslich auf eine Regelung, die die Parlamentsrechte respektierte, der Notstand sollte nicht zu einer Sache der Exekutive werden. Staatlich geförderte Investitionsprogramme und die Förderung notleidender Wirtschaftszweiger wie dem Bergbau fürhten zur Besserung der wirtschaftlichen Lage, 1969 herschte wieder Vollbeschäftigung.


Kurt Georg Kiesinger

Studentenproteste

Während die meisten Deutschen zufrieden mit dem wieder steigenden wirtschaftlichem Wachstum waren, formierten sich aus überwiegend studentischen Kreisen eine Protestbewegung, die gegen die bestehenden Zustände in Politik und Gesellschaft protestierte. Vorbild waren die Protestbewegungen in den USA gegen den Vietnam-Krieg und gesellschaftlichen Mißstände (Armut, Rassismus). Leitbild war die Politisierung und Demokratisierung aller Lebensbereiche und die Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft. Die universitäre Protestszene verlagerte sich auf die Strassen, setzte auf den Solidarisierungseffekt bei Strassenschlachten mit der Polizei und entwickelte sich so zu einem Massenphänomen. Die Kritik der "Neuen Linken" richtete sich hauptsächlich gegen die Vietnam-Tolerierung der Bundesregierung, die Verdrängung der NS-Vergangenheit und das angebliche Meinungsmonopol des Axel-Springer-Verlages. Die Auseinandersetzungen mit der Polizei häuften sich, 1967 kam es zum ersten Toten Studenten. Der Mordanschlag auf einen der Führer der Proteste, Rudi Dutschke, löste eine Welle von Demonstrationen in allen größeren Städten der BRD aus, die teilweise in regelrechte Straßenschlachten ausarteten. Mit dem Ende der großen Koalition zerfielen die Organisationen, ein Großteil ihrer Anhänger wechselte zur SPD.



Machtwechsel

Nach dem Zerfall der großen Koalition gewann die SPD die Bundestagswahl vom 18. September 1969 und ging eine Koalition mit der FDP ein. Am 21. Oktober 1969 wurde Willy Brandt zum Bundeskanzler gewählt. Willy Brandt traf die Erwartungen vieler Bürger mit seiner Devise: " Wir wollen mehr Demokratie wagen". Die Rechte von Betriebsräten wurden erweitert und das Rentenreformgesetz brachte eine weitere Erhöhung der Renten. Ausserdem wurden die Leistungen des Kindergeldes und der Krankenversicherung erhöht, insgesamt betrugen die Mehrausgaben für die Sozialversicherungen 170 Milliarden DM. Zusätzlich wurde die Stellung der Frauen verbessert, unter anderem wurde der Name des Mannes jetzt nicht mehr autmatisch Familienname. Eine umfassende Reform des Bildungssystems sollte die Chancengleichheit aller Bewerber garantieren. Die neue Regierung enttäuschte aber auch manche ihrer Anhänger durch die Abwehr der "rakikalen im öffentlichen Dienst", zwischen 1972 und 1976 wurde jeder Bewerber auf einen Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst durch eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz überprüft.


Willy Brandt

Der Zerfall der Regierung Willy Brandts

Brandt leitete durch die Anerkennung der Staatlichkeit der DDR, einen Vertrag über Gewaltverzicht mit der Sowjetunion und einer Anerkennung der bestehenden polnischen Westgrenze (unter Vorbehalt) eine neue Ostpolitik ein. Als Protest dagegen stellte die Opposition ein Misstrauensvotum, dass allerdings scheiterte. Trotz dieses Mißerfolgs besaß die Regierung Brandts aber keine Mehrheit mehr, da mehrere Abgeordnete aus den Reihen der Koalition aus Protest gegen die Ostpolitik mit der Opposition stimmten, so daß Neuwahlen unumgänglich wurden. Die Koalition errang zwar einen neuen Wahlsieg, aber die SPD litt an starken innerparteilichen Streitigkeiten, so daß ein Rücktritt Brandts unumgänglich wurde. Sein Nachfolger wurde am 16. Mai 1974 Helmut Schmidt.



Eskalierung des Terrorismus

Ein Hauptproblem der Innenpolitik in der zweiten Hälfte der 70er Jahre war der Terrorismus, einige frühere Teilnehmer an den Studentenprotesten setzten Kaufhäuer in Brand und bauten bald darauf aus dem Untergrund die RAF (Rote Armee Fraktion) auf. Diese verübten eine Reihe von Attentaten, bei denen es mehrere Tote und Verletzte gab. 1972 konnte zwar der harte Kern der RAF verhaftet werden, doch aus den Reihen ihrer Sympathisanten bildete sich eine zweite Terroristen Gruppe, die mit spektakulären Geiselnahmen die Freillasung der Inhaftierten forderten. 1977 erreichten die Aktivitäten ihren Höhepunkt, mehrere führende Politiker wurden ermordet. Der Terrorismus gipfelte in der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, unterstützt von palästinensischen Terroristen, welche eine Lufthansa-Maschine mit 91 Personen in ihre Gewalt gebracht hatten. Da die Bundesregierung einhellig der Meinung war, den Terroristen keine Zugeständnisse machen zu dürfen, liessen sie das Flugzeug stürmen. Wenige Tage später fand man Martin Schleyer ermordet in einem Auto. Da es den Terroristen aber nicht gelang, die Gesellschaft auf ihre Seite zu ziehen, versickerten ihre Aktivitäten bald darauf.



Die Ölkrise und ihre Folgen

1973 verteuerten sich schlagartig wichtige Rohstoffe, da die Erzeugerländer sich zu einem Kartell zusammengeschlossen hatten. Diese Engpass bei der Energieversorgung führte zu einer stärkeren Rezession als die der 60er Jahre, da die schlagartig gestiegenen Energiekosten Kaufkraft aus den westlichen Industrieländern abzogen. Insgesamt gesehen kam die Bundesrepublik allerdings relativ gut davon, der Regierung unter Helmut Schmidt geland es besser als den anderen Ländern durch Förderung von Energieeinsparungen und Ausweichen auf andere Energieformen die Folgen gering zu halten. Die Sonntagsfahrverbote Ende 1973 hatten eher symbolische Bedeutung. Die zweite Ölkirse 1979/80 traf die westlichen Industrieländer eher noch härter als die erste, Panikkäufe nach einer Revolution in Persien lösten eine weitere Preisexplosion aus. Die Ölpeiserhöhungen bremsten das Wirtschaftswachstum in der BRD um 2%.


Helmut Schmidt

Die zweite Rezession

Das Ende der Wiederaufbauphase, die Ölkrise sowie neue Technologien wie der Computer beendeten die Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenqoute stieg von 2,6 % im Jahr 1974 auf 9,3 % 1985. Obwohl die Arbeitslosigkeit danach wieder sank, erreichte sie nie wieder die Werte von 1974. Durch das Zusammenspiel von Bundesbank, die die Stabilität der Währung schützte, und der Nachfrageorientierten Politik der Regierung bewältigte Deutschland die Krise im Gegensatz zu einigen anderen Ländern noch relativ gut, aber die Programme zur Senkung der Arbeitslosigkeit und Stärkung der Konjunkur kosteten Milliarden, die schliesslich zu einem starken Anstieg der Verschuldung auf 309 Milliarden führte. Als die FDP 1982 aus diesen Gründen die Koalition aufkündigte, stürzte die neue Mehrheit aus CDU und FDP den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Nachfolger wurde Helmut Kohl.



Die Veränderung des Parteiensystems

In den 80er Jahren hat sich das Parteinsystem der BRD gewandelt, es sind neue Parteien hinzugekommen, bedeutendste Neuerung waren die Grünen, die aus Bürgeninitiativen gegen Atomkraftwerke entstanden waren. 1983 wurden sie erstmals mit 5,6% in den Bundestag gewählt.

Autor: Philipp Stern