Der Aufstieg Japans zur Wirtschaftsmacht
Nach 1945 begann für Japan eine Zeit tiefgreifender Veränderungen seines politischen, sozialen und wirtschaftlichen Systems. Die Kriegszerstörungen von Wohnungen (30% der Bevölkerung waren obdachlos), Industrieanlagen und Verkehrseinrichtungen dazu die Arbeitslosigkeit von 10 Millionen Männern und der Hunger belastete das japanische Volk schwer. Die demontierten und durch Produktionsbeschränkungen gehemmten Großkonzerne kamen erst wieder während des Koreakrieges zum Zuge. Durch Bemühungen der US-Militärregierung lag bald darauf die Staatsgewalt nicht mehr in der Hand des Kaisers, sondern in der eines gewählten, demokratischen Parlaments.
Seit dem Wiedergewinn seiner Souveränität am 1. Mai 1952 und seiner außenpolitischen Handlungsfreiheit, legte Japan das Gewicht seiner außenpolitischen Neutralität beim Ausbau seiner Handelsbeziehungen in die Waagschaale. Im Jahre 1956 wurde Japan Mitglied der UNO und erhielt so weiteren Einfluss auf dem Weltmarkt. Japans südostasiatische Nachbarländer wie Burma und Thailand entwickelten sich zu guten Rohstoff- und Absatzmärkten Japans, wobei zu China fast keine Beziehungen bestanden.
Nach dem Verlust der Märkte Korea, Taiwan, und der Mandschurei als Folgen des 2. Weltkriegs ermöglichten die US-Wirtschaftshilfe und die Rüstungsaufträge durch den Koreakrieg den wirtschaftlichen Aufschwung. Angewiesen auf kostengünstige Produktion an Küstenstandorten (Japan hat selbst wenig Bodenschätze und muß daher alle seine Bodenschätze importieren), förderte der Staat Konsumgüter- und Investitionsbranchen durch Subventionen, Preisgarantien, Importzölle usw. 1960 gelang es Japan auf diese Weise, die Industrieproduktion gegenüber der Vorkriegszeit zu verdoppeln und zur führenden Schiffsbaunation der Welt zu werden. 1968 überflügelte Japan die Bundesrepublik Deutschland und rückte damit auf den dritten Platz in der Reihnfolge der Industrienationen. Seinen weltwirtschaftlichen Rang verdankt Japan seiner aggressiven Verkaufspolitik, Schutzzollpolitik für den Binnenmarkt und letzlich seinem risikofreudigen und modernen Management.
Mitverantwortlich für dieses Wirtschaftswachstum war auch die Bevölkerungspolitik Japans, die den Bevölkerungswachstum halbieren konnte. Der steigende Lebensstandart erhöhte dabei gleichzeitig die Lebenserwartung der Bevölkerung.


Autor: Micha Schröter